Geschichte des Logenhauses

Die Marienkapelle des einstigen Marchtaler Klosterhofes (Oberamteistraße 29) gehört zu den ältesten Gebäuden Reutlingens. Die Erbauung der frühgotischen Kapelle führt zurück in die Zeit um 1243. als Kaiser Friedrich ll. Reutlingen die Rechte einer bewehrten Stadt verlieh. lm lnnern zieren zwei Schlusssteine das Netzgewölbe: Einer zeigt das Wappen des Klosters mit Schwert und Schlüssel; der zweite verweist heute mit Winkelmaß und Zirkel auf die Symbole des Freimaurerbundes.

Nach der Reformation wurden in der Kapelle weiter katholische Gottesdienste gefeiert. Dies führte in der evangelischen Reichsstadt immer wieder zu Konflikten. Während des Dreißigjährigen Krieges fanden im Gebäude vier Nonnen aus dem Pfullinger Klarissinnenkloster Zuflucht. Eine Steinplatte im Eingang erinnert an die hier am 15. November 1646 verstorbene Nonne Sybilla Knerin.

Im Stadtbrand 1726 blieb die Kapelle fast unversehrt. 1802 wurde das Kloster Marchtal mit seinen Besitzungen im Zuge der Säkularisation dem Fürsten von Thurn und Taxis zugesprochen. 1812 kaufte der Zinngießer Christian Adam Kurtz das „KirchIein" und richtete dort eine Glockengießerei ein, die bis in die 1860er Jahre produzierte. 1885 erwarb die Freimaurerloge „Glocke am Fusse der Alb“ das Gebäude. Auf dem Platz des ehemals an die Kapelle angebauten Waschhauses errichtete sie 1892 einen Anbau im neogotischen Stil. Der Neubau aus Tuffsteinquadern bot Platz für Kapellenvorraum, Bankettsaal, Bibliothek und andere Räume. Beim Umbau wurde auch das steinerne Sandsteinportal der Kapelle an die Straßenfront des Gebäudes versetzt.

Heute ist das Logenhaus gemeinsames Eigentum der Freimaurerloge „Glocke am Fusse der Alb“ und der „Loge Achalm" im Deutschen Druiden-Orden. Es ist Arbeits- und Wirkungsstätte dieser beiden Logen und der Frauenloge „Drei Säulen im Zeichen der Silberdistel".