Quellen einer lebendigen Tradition

Freimaurerei ist ein vielschichtiges und über Jahrhunderte hinweg gewachsenes Gedankengebäude. Im Schriftgut wie in den Ritualen der Freimaurer finden sich zahlreiche Verweise auf Altes und Neues Testament. Die unterschiedlich interpretierbaren Texte der Bibel spielen als Bezugsquelle christlicher Ethik und Nächstenliebe eine bedeutsame Rolle. 

Während ihrer Entwicklung nahmen die Freimaurer immer wieder unterschiedliche geistesgeschichtliche Einflüsse auf. In den Logen engagierten sich belesene, wissenschaftlich interessierte und gelehrte Menschen, die sich über die Dogmen ihrer Zeit hinweg mit teils vergessenem, teils verbotenem Gedankengut beschäftigten. Eine wichtige Inspiration war stets der Humanismus, der vom antiken Ideal eines ethisch wie kulturell hoch entwickelten Menschen getragen wird. Bis heute orientieren sich Ideale und Erkenntnisse freimaurerischer Arbeit an der Humanität, am „Guten an sich“.

Eine zentrale Traditionslinie der Freimaurerei sind die Bauhütten des Mittelalters. Das Wissen um die Kunst des Bauens wurde, streng geheim, in so genannten „Werklehren" innerhalb der Genossenschaft überliefert. Kosmopolitisches Denken und das Streben nach Gleichheit, Brüderlichkeit und Frieden findet sich im kooperativen Miteinander innerhalb der Bauhütten. Die Ordnungen der Steinmetzzunft und die Bausymbolik beeinflussten entscheidend die Ausgestaltung von freimaurerischen Ritualen.

In der Symbolik des „Großen Baumeisters aller Welten" wird ein sinngebendes Prinzip dargestellt. Freimaurerei ist offen für Menschen der verschiedensten Weltanschauungen. Diese müssen jedoch mit den ethischen Lebensorientierungen übereinstimmen, die in der Auseinandersetzung mit freimaurerischen Idealen gefunden werden. Daraus lässt sich Orientierung in Denken und Handeln schöpfen.

Respekt vor Religion und Verzicht auf Einmischung in Religion macht die Loge zu einer Gemeinschaft, in der sich Menschen auf der Grundlage verpflichtender Werte zusammenfinden.